Marianne Zückler liest aus Ihrem Buch „Osteuropaexpress“

Vom Kampf um die eigene Identität und Freiheit in Osteuropa: Acht literarisierte Lebensgeschichten jenseits der Heterosexualität

»Du bist für viele kein vollständiger Mensch, wenn du lesbisch, schwul oder transsexuell bist. Daran ändern auch die europäischen Gesetze nichts.« Auszug aus „Osteuropaexpress“

Europa gilt als offen und tolerant, doch noch nicht in allen europäischen Ländern können diese Werte auch gelebt werden. Der Weg zur sexuellen Selbstbestimmung ist vielerorts immer noch weit. Die Autorin Marianne Zückler erzählt von Menschen – alt und jung, lesbisch, schwul oder transsexuell – ,die aufgrund ihrer sexuellen Identität in ihren Heimatländern in Osteuropa von sozialer Ausgrenzung, Gewalt und Diskriminierung bedroht werden. Am Beispiel von acht Protagonisten aus Lettland, Litauen, Polen und Ungarn werden die Sorgen, Hoffnungen und Alltagskämpfe der Menschen, die sich der Gemeinschaft der LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) zugehörig fühlen, verarbeitet.

»Unsere Sexualität kann uns befreien. Aber zuerst müssen wir sie befreien.«

Über zwei Jahre hinweg führte Marianne Zückler Gespräche mit Betroffenen in deren Heimatländern und führt diese Recherchen in „Osteuropaexpress“ als dokumentarische Erzählungen, literarisch bearbeitet, zusammen. Mit der Hilfe von LGBT-Organisationen vor Ort und persönlichen Empfehlungen konnte die Autorin Kontakt mit ihren Gesprächspartnern aufnehmen, die sie später narrativ zu Prototypen macht. Wie stark die Anfeindungen wirklich sind, wie groß die Angst der Menschen ist, hat Marianne Zückler selbst erlebt, als sie an einer Pride Parade in Warschau teilnahm.

»Wenn du wirklich leben willst, hast du vier Möglichkeiten: bleiben, kämpfen, aufgeben, gehen.«

Trotz aller Schwierigkeiten und Ängste sind die Protagonisten aus Marianne Zücklers Erzählungen nicht Opfer, sie gehen ihren Weg mit Mut, Beharrlichkeit und Selbstvertrauen. Sie wollen zu sich selbst stehen und sehnen sich nach dem liberalen Selbstverständnis der westeuropäischen Kultur. Sie sind Kämpfer, die täglich ihre Liebe, Sexualität und Identität verteidigen müssen – gegenüber sich selbst, ihrer Familie, ihrer Religion und ihrer Regierung. „Osteuropaexpress“ beleuchtet mittels künstlerischer Narrative Menschenrechtsdefizite in unseren europäischen Nachbarländern und gibt Betroffenen Hoffnung und Ansporn, ihre Rechte zu erstreiten.

Über die Autorin: Marianne Zückler lebt in Berlin und arbeitet als freie Autorin (auch Hörspiel-Autorin) und Dozentin für dokumentarisch-biografische Theaterarbeit. Sie beschäftigt sich vor allem für die Verschränkung von Erfahrungs- und Erinnerungsräumen sowie die transgenerationelle Weitergabe von Kriegs- und Gewalttraumatisierungen.

Der Eintritt ist frei. Sitzplatzreservierung unter lllinfo@gmx.de oder 069/293044 (AB) möglich.